Wie ihr meinen älteren Posts entnehmen könnt, habe ich (mehr oder weniger hart) für den Hella-Halbmarathon in Hamburg trainiert. Am Wochenende vor dem Halbmarathon habe ich mich dann endlich mal an eine 19km-Strecke gewagt. Alle vorherigen Trainingseinheiten bewegten sich maximal im Bereich bis 15km. Es war also "allerhöchste Eisenbahn" mal ein paar Kilometer mehr zu machen. Die Trainingseinheit war im Großen und Ganzen gut. Allerdings sorgte sie auch für einen Muskelkater, der mir keine weitere (sinnvolle) Trainingseinheit vor dem großen Lauf ermöglichte...

Anreise

Am vergangenen Sonntag (1. Juli) war es dann soweit. Da ich es vorher etwas verpeilt hatte, musste ich natürlich noch meine Startunterlagen abholen. Da man diese am Sonntag nur zwischen 7:00 und 8:30 Uhr abholen konnte, saß ich gegen 6:30 Uhr im Auto Richtung Hamburg. Das war für mich auch keine größere Herausforderung, da ich doch dezent nervös war und sowieso nicht viel länger schlafen konnte.

Kurz nach 7 Uhr war mein Auto geparkt und ich stand am Gleis der U2 in Richtung Messehallen. Im Augenwinkel sah ich einen weiteren Läufer (leicht erkennbar an der Hightech-Ausrüstung) auf mich zukommen. Ich freute mich auf ein nettes Gespräch unter Gleichgesinnten.

"Moin. Na, fit?"
"Och, im Rahmen der Möglichkeiten. Und du?"
"Mehr schlecht als recht. Aber wir kommen schon durch, oder?"

Wir beide lachen und erzählen uns gegenseitig, dass man doch nur läuft um am Ende die kostenlosen Bananen und das Erdinger Alkoholfrei abzustauben.

So hätte das Gespräch verlaufen können. Hätte... Stattdessen werde ich Zeuge eines beeindruckenden Monologs. Der Sportsfreund erzählt mir von seinen letzten 6 "Halben" (Halbmarathon-Läufen). Ich kenne nun seine Zielzeiten bis auf die Sekunde genau. Aber er geht erst so richtig ins Detail, als es um seinen Stuhlgang geht. Wann er bei welchem Lauf bei welchem Kilometer die Dixi-Klos aufsuchte tat er mit überraschender Freude kund. Aber hier will ich nicht weiter ins Detail gehen. Ihr könnt euch jedenfalls vorstollen, wie lang so eine U-Bahnfahrt werden kann.

Bei den Messehallen angekommen hole ich meine Startunterlagen, befestige meine Startnummer an meinem Laufshirt und gebe meine Sporttasche bei der Aufbewahrungsstelle ab.

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Danach fahre ich direkt zur Reeperbahn an den Start. Es ist zwar erst 8:30 Uhr und der Lauf beginnt erst um 10 Uhr, aber bevor ich mir weiter Stuhlgang-Stories anhöre, verbringe ich die restliche Zeit lieber auf der Reeperbahn.

Der Lauf

Dann ist es irgendwann endlich 10 Uhr und die vielen vielen Läufer traben die Reeperbahn hinunter. Die ersten 7 Kilometer sind (lauftechnisch) eher unspektakulär. Zwischen Kilometer 7 und Kilometer 8 werde ich zum ersten mal von meinem persönlichen Fans angefeuert. An dieser Stelle einen lieben Gruß an meinem Fan-Block / Familie Richter aus Bad Laer. Das brachte den ersten Motivationsschub.

Bei Kilometer 12 laufe ich fast direkt an meinem Auto vorbei. Da mein Trainingszustand die 12 Kilometer zu keinem großen Problem gemacht hat, ist die Versuchung nicht übermäßig groß, den direkten Weg zum Auto zu nehmen.

Die nächsten (und zugleich auch letzten) 9 Kilometer führen um die Alster und im Anschluss direkt zu den Messehallen und somit ins Ziel. Ab Kilometer 16 muss ich dann doch regelmäßig Geh-Pausen einlegen. Mein eben erwähnter Trainingszustand ist denn eben doch nicht gut genug um 21km durchzulaufen.

Das vorletzte Highlight meines Laufes wartet bei Kilometer 20 auf mich. Hier wartet wieder mein persönlicher Fan-Block und feuert mich nochmal kräftig an. Ein letzter und toller Motivationsschub. Leider ereilen mich kaum 100 Meter weiter regelmäßig Wadenkrämpfe im linken Bein. Erinnerungen an meinen Berlin-Marathon 2005 kommen in mir hoch.

Der kurze Dämpfer durch die Krämpfe hält nur noch ein paar hundert Meter an, da ich dann schon bald das Ziel sehen kann. Ich laufe also kurz darauf mit einer Nettozeit von 2:17:53 ins Ziel ein.

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Im Ziel

Endlich geschafft. 21 Kilometer bin ich gelaufen. Mein persönliches Ziel unter 2:30:00 zu bleiben habe ich erreicht. Ich bin zufrieden. Nun bin ich für heute aber genug gelaufen.

Dachte ich. 

Allerdings ist das "Ziel" ja noch gar nicht das Ende. Von dort läuft man erstmal noch bis in die Messehallen selbst. Dort steht man lange für Bananen, Müsli-Riegel, Wasser und alkoholfreies Erdinger an. Und auch wenn man sich entsprechend versorgt hat, gibt es immer noch kaum Sitzmöglichkeiten (vom Boden mal abgesehen).

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Ich trinke also mein Erdinger Alkokolfrei und mache mich dann zufuß wieder auf den Weg zur U-Bahn. Ihr seht schon, es bleibt nicht bei 21 Kilometern. Auch im/nach dem Ziel werden die Füße noch erheblich gefordert.

Trotzdem hat es Spaß gemacht. Und ich bin natürlich einfach sehr stolz mein Ziel erreicht zu haben. 

Keep running!

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