Diese erste Version dieses Posts gehörte definitiv in die Kategorie "Ich hasse Menschen". Ihr bekommt hier also nur noch die "familienfreundiche" Fassung zu lesen. Aber keine Sorge, die Kernaussage bleibt natürlich die gleiche. Nur das Vokabular und die Formulierungen habe ich (in nicht unerheblichem Maße) geändert.

Denn hin und wieder kommt es vor, dass ich mich nach einer kleinen Auseinandersetzung oder einem anderen prägenden Ereignis abends an meinen Laptop setze und darüber einen Blogartikel verfasse. Oft bin ich dann natürlich noch in genau der Stimmung / der Gefühlswelt, in der ich auch während der genannten Situation war.

Dies hat den Vorteil, dass ich meist nicht lange nach passenden(?) Worten suchen muss. Der Post schreibt sich fast von alleine. Solange ich einfach meinen Emotionen freien Lauf lasse, kommen da auf jeden Fall einige Absätze bei rum.

Ab und zu bin ich vom Ergebnis danach so überzeugt, dass ich im Anschluss direkt den "Publish"-Button drücke. Aber manchmal bin ich auch so klug und lasse den Post erstmal als Entwurf gespeichert und schlafe nochmal eine Nacht (oder auch mehrere Nächte) darüber.

So auch in diesem Fall. Wie im ersten Absatz bereits erwähnt, war die erste Version dieses Artikels recht emotional formuliert. Das ist zwar gar nicht immer schlecht, aber in diesem Fall war es eine gute Entscheidung den Artikel in meinem Kopf noch etwas reifen zu lassen. Da es sich in solchen Fällen ja auch meistens um Situationen mit meinen Mitmenschen dreht, möchte ich natürlich auch vermeiden, dass diese in einem zu schlechten Licht dastehen. So sollte also möglichst nicht einfach ersichtlich sein über wen ich mich konkret aufrege. Ein gewisses Maß an Anonymisierung muss also schon gewährleistet sein. 

Aber nicht nur das. Natürlich verändert sich auch der Blick auf manche Situationen, wenn man erst ein oder zwei Nächte darüber geschlafen hat. Auch in diesem Fall änderte sich meine Sicht auf das Gesamtbild. Aber nun komme ich endlich mal zum Thema.

Captain Awesome lässt grüßen

Kennt ihr diese Leute (interessanterweise sind es meistens Männer), die regelmäßig mit folgender Aussage kommen?

Wenn man möchte, dass es ordentlich wird, muss man es schon selber machen.

Ja, natürlich hat das vermutlich schon fast jeder mal gesagt. Aber ich rede hier nicht von denen, die das ab und zu aus Spaß sagen. Ich rede von denen, die das wirklich so meinen und auch so leben. Da es sich, zumindest in meiner Wahrnehmung, meist um Männer handelt, nenne ich diesen Typ Mensch einfach mal "Captain Awesome".

Egal auf wessen Werk er schaut, rr schaut fast immer darauf herab. "Wer macht denn sowas? Ist doch total dumm. Wäre doch viel besser, wenn man das so und so macht."

Diese Worte habe ich mir nicht ausgedacht. Diese Aussage höre ich (in SEHR ähnlichem Wortlaut) immer mal wieder. Und je öfter ich diese Art von Gelaber höre, desto gereizter reagiere ich darauf. Und das obwohl diese Aussage nicht einmal über meine Arbeit gemacht wurde. Ich war einfach nur immer wieder dabei, als "Captain Awesome" die Arbeit anderer Leute auf diese Art und Weise kritisierte.

An dieser Stelle war in der ersten Version des Posts ein umfangreicher Part über die Respektlosigkeit und Überheblichkeit solcher Aussagen zu finden. Aber ich habe die gute Hoffnung, dass der regelmäßige Leser dieses Blogs dies bereits selbst in dieser Form bewertet hat. Daher komme ich nun einfach schneller zu meiner eigentlichen Aussage.

"Was zum Teufel?"

Ich kenne das natürlich auch selbst. Ich bin als Softwareentwickler tätig und schaue fast täglich nicht nur auf meinen Quellcode, sondern auch auf den von anderen Menschen. Mal ist es die Arbeit von Kollegen, mal die von Menschen, die das Projekt / das Unternehmen / unsere Erde schon lange verlassen haben. Und es bleibt dabei nicht aus, dass auch ich so manches Mal "Was zum Teufel hat er/sie sich dabei gedacht" denke. 

Aber anstatt meine Umwelt damit zu nerven, dass ich ja so viel toller bin als der Depp, der das dort verzapft hat, versuche ich mit mehr Verständnis an die Sache zu gehen. Denn Fakt ist, dass der Code ja jetzt erstmal so ist, wie er ist. Außerdem muss ich doch erstmal davon ausgehen, dass es vielleicht sogar einen guten Grund gibt, warum die Umsetzung auf genau diesem Wege erfolgt ist.

Vielleicht war der Entwickler einfach noch unerfahren und das war die beste Lösung, die er (vielleicht unter sehr hohem Zeitdruck) gefunden hat. Vielleicht gab es ja zu dem Zeitpunkt auch andere Einschränkungen, die eine "bessere" Lösung gar nicht zugelassen haben. Und es gibt auch einfach Tage, an denen man weniger guten Code schreibt, als an anderen.

R-E-S-P-E-C-T

Den Entwickler einfach nur als dumm abzustempeln, ist jedenfalls kein besonders intelligentes oder respektvolles Vorgehen. Und gerade an Respekt hapert es "Captain Awesome" gewaltig.

Und das ist dann auch endlich meine heutige Kernaussage: Wir sollten auch den Mitmenschen die vielleicht nicht mehr im Projekt / im Unternehmen sind, ein ausreichendes Maß and Respekt zollen. Und nicht nur, weil man doch auch selbst als netter und respektvoller Kollege in Erinnerung bleiben will, sondern weil es einfach zu einem vernünftigen Miteinander gehört.