Der erste "richtige" Tag der Kreuzfahrt ist ein Seetag. Wir laufen also erst morgen in der Früh den Hafen von Civitavechia (nahe Rom) an. Geweckt werden wir von herrlichem Sonnenschein, einem tollen Blick aufs Meer und leichtem Seegang - oder wie es der Kreuzfahrtdirektor so nett ausdrückt- "Schiffsbewegungen". Schon vor dem Frühstück stellt sich raus, dass ich im Vergleich zu meiner Frau relativ seefest bin. 

Mein Sohn und ich gehen also alleine zum Frühstück in das sehr volle Buffet-Restaurant. Wir laden uns zwei Brötchen und passenden Aufschnitt auf den Teller und machen uns auf die Suche nach einen freien Tisch. Leider erfolglos. Aber eine Reisegruppe freundlicher Senioren hat Mitleid und läd uns an ihren Tisch ein. Der Sohnemann gibt wieder sein Bestes und verzaubert insbesondere die Damen am Tisch mit seinem Charme. 

Nach dem Frühstück packen wir für meine Frau ein paar nette Backwaren ein und bringen ihr diese auf die Kabine. Ich lasse meinen Sohn bei meiner Frau und begebe mich zu den "Bikeguides". Ich habe nämlich einen Fahrradausflug in Cannes gebucht. Aus diesem Grund muss ich mich im Vorfeld dort melden und ein paar Unterschriften leisten. Hier treffe ich wieder auf den freundlichen Lars aus Osnabrück. Der mit dem Hipster-Bart. Er sieht, dass ich mich für die 35km lange "Mit dem Rad entlang der Cote d'Azur" - Tour entschieden habe. 

"Du fährst nicht die Aktiv-Tour?" 
"Nee, das ist ja der höchste Schwierigkeitsgrad." 

Er überredet mich dann doch zur 45km langen Aktiv-Tour, auf der gut 500 Höhenmeter überwunden werden wollen. Ob das eine gute Entscheidung war, sehe ich in ein paar Tagen und ihr in meinem Bericht über den Tag in Cannes. 

Nun geht es an die oben erwähnten Unterschriften. Ich überfliege die dicht bedruckten Zettel kurz und vermute, dass ich gerade meine Seele an den Teufel verkaufe und so viele Waschmaschinen gekauft habe, wie ich von Cannes aus nach Hause tragen kann. Keine Überraschung also. 

Zurück auf der Kabine finde ich einen seekranken Sohn vor. Er ist blass und beschwert sich, dass das Schiff wackelt. Recht hat er. Ich lege ihn zu seiner Mama ins Bett und versorge beide mit Orangensaft und ein paar Backwaren. Im Anschluss setze ich mich auf den Balkon, genieße den wunderbaren Blick auf das Mittelmeer und denke, dass es ein guter Zeitpunkt ist meinen heutigen Reisebericht anzufangen... 

Einige Stunden später

Wir haben den Kurs geändert und fahren in Richtung Korsika. Der Grund dafür ist ein medizinischer Notfall an Bord. Der Kapitän, ein freundlicher Grieche, hat dazu eine entsprechende Durchsage gemacht. Uns wird ein Boot entgegenkommen und den Patienten abholen. Aufregend.  

Da wir, bis zu diesem Zeitpunkt, einen entspannten Zeitplan hatten, erreichen wir den Hafen von Civitavechia wahrscheinlich dennoch pünktlich. 

Ich sitze inzwischen in der TUI-Bar auf Deck 4 und gönne mir einen alkoholfreien Cocktail. Um mich herum mehrere Rentner-Gruppen. Der Tisch zu meiner Rechten diskutiert, wie die Kellner wohl die kostenpflichtigen und kostenlosen Cocktails auseinanderhalten. Sehr beeindruckend diese kognitiven Höchstleistungen. Der Tisch zu meiner Linken hat DAS Standard-Thema für Senioren am Start. Das Essen. Ab einem bestimmten Alter wird jede Reise, so scheint es mir, nur noch über das Essen bewertet. Aber, wenn ich die Diskussion richtig verstehe, wird es ein guter Urlaub. Glück gehabt. An dieser Stelle ein Gruß in die Küche der Mein Schiff 5. Ihr habt alles richtig gemacht. 

Kurz bevor ich meinen Posten in der TUI-Bar verlasse, stellt eine grau behelmte Mitreisende vom Nachbartisch fest, dass die Fenster ja wohl geputzt werden müssten. Der Seegang hat ja schließlich für ordentlich Salzwasser am Fenster gesorgt. Das gibt im Anschluss sicherlich einen bösen Beschwerdebrief mit einer nicht unerheblichen Schadensersatzforderung auf Grund entgangener Urlaubsfreuden... 

Der restliche Tag verläuft ohne weitere Komplikationen. Wir halten kurz in einer Bucht, geben den Patienten an das kleine Boot ab und machen uns wieder auf den Weg Richtung Rom.