Nach einer ruhigen Nacht kommen wir erholt in La Spezia an. Unser Ausflug startet mit der Abholung der Bus-Tickets um 7:30 Uhr. Die Nacht war also erholsam, aber definitiv zu früh vorbei. Wir haben allerdings die Hoffnung, dass sich das frühe Aufstehen bezahlt macht und wir mit einem tollen Ausflug nach Pisa belohnt werden. 

Unsere heutige Reiseführerin heißt Anne-Marie. Eine wirklich nette und tatsächlich witzige Person. Außerdem ist sie mir im Nachgang noch symphatischer, weil sie mit keinem Geschäft names "Savelli" (und auch mit keinem anderen Geschäft) einen sehr offensichtlichen Deal geschlossen hat. Sie nutzt die ca. 60 minütige Fahrt nach Pisa, um uns viele interessante Fakten über die an der Route gelegenen Orte zu nennen. Informativ und immer wieder mal witzig. Falls ihr mal nach Pisa kommt, solltet ihr unbedingt nach Anne-Marie als Reiseleitung fragen. Eine klare Empfehlung. 

In Pisa angekommen laufen wir direkt zum Platz der Wunder. Hier gibt es viel zu entdecken. Neben dem schiefen Turm gibt es hier die Taufkirche und die Kathedrale zu sehen. Auch wenn die anderen Bauten wirklich beeindruckend sind, so lässt mich der schiefe Turm nicht los. Der ist tatsächlich SEHR schief. Und SEHR schwer. Mein doch sehr limitiertes Wissen über Bauphysik lässt mich Schlimmes ahnen. Meinen Berechnungen zufolge müsste der Turm noch heute seinen Abgang gen Süden machen. Als ich dann auch noch von Anne-Marie erfahre, dass sich der Turm jedes Jahr einen Millimeter weiter neigt, halte ich dezent übertriebenen Sicherheitsabstand oder halte ich zumindest nördlich des Turmes auf. 

Neben vielen Sehenswürdigkeiten gibt es noch viel mehr Touristen. Jeder einzelne davon lässt ein Foto von sich machen, wie er (oder sie) den schiefen Turm von Pisa "stützt". Immer wieder ein Knaller. Da es sich dabei anscheinend um ein ungeschriebenes Gesetzt handelt, tun wir es den anderen Touristen (wenn auch zähneknirschend) gleich. Das Highlight beim nächten Dia-Abend mit Freunden und Verwandten. 

Wir tingeln noch ein bisschen durch die Gegend und beschließen, unserer restliche Freizeit in einem netten kleinen Café zu verbringen. Wir gönnen uns einen überteuerten Tee und einen ebenso unverschämt teuren Kaffee und genießen die Sonne und das Treiben um uns herum. Was wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten, ist, dass die Bedeutung von "ich bringe Ihnen die Rechnung sofort" in Italien (oder zumindest in Pisa) eine andere zu sein scheint, als bei uns in "Good Old Germnay". Mir scheint als wäre die Rechnung mit Hermes versendet worden. "Ihre Rechnung wird Ihnen zwischen 8 Uhr und 18 Uhr zugestellt." Ich mache wiederholt und mit Nachdruck darauf aufmerksam, dass ich gerne zahlen würde. Jedes Mal kommt die Antwort der Kellner etwas patziger. 

Long Story boring: 4 Minuten bevor wir uns wieder in der Nähe des Busses treffen sollten bekomme ich unsere Rechnung mit unfreundlichem Blick überreicht. Glücklicherweise habe ich meine Frau und meinen Sohn bereits losgeschickt, damit zumindest nur ich dem Schiff hinterherreisen muss, sollte der Kellner es bis zu seinem Feierabend nicht mehr schaffen, mir die Rechnung zu bringen. Wo hätte ich bis zu seinem morgigen Dienstantritt auch übernachten sollen? 

Der restliche Tag ist zwar für unserer Begriffe schön, aber für so ein Reisetagebuch vermutlich wenig spektakulär. Wir waren mit dem Sohn im Pool, haben uns den kulinarischen Köstlichkeiten hingegeben und abends beim Bingo, trotz Einsatz, nichts gewonnen. 

Morgen schlägt dann für mich die Stunde der Wahrheit. Wir ankern vor Cannes. Dort habe ich mich, falls ihr euch nicht daran erinnert, zur 45km langen Aktiv-Tour überreden lassen. Die gut 500 Höhenmeter wollen dabei ohne E-Bike und somit mit purer Muskelkraft überwunden werden. Sollte dies also mein letzter Reisebericht sein, könnt ihr davon ausgehen, dass ich irgendwo in den Bergen von Cannes meine letzte Ruhe gefunden habe